1871 machte William Russell Frisbie (1848-1903) in seinem Haus in Bridgeport, Connecticut, köstliche frische Kuchen. Sie waren so beliebt, dass Frisbie sein eigenes Kraftwerk baute, weil noch nicht genügend Storm vorhanden war. 1915 baute sein Sohn eine dreistöckige Bridgeport-Bäckerei für die «Frisbie Pie Company». Die Kuchen wurden für fünf Cent verkauft und per Pferd und Wagen in die Region geliefert. In den frühen 1920er Jahren produzierte die Bäckerei täglich neun Tonnen Kuchen, das waren mehr als 50’000 Stück pro Tag. Es brauchte eine Flotte von 200 Lastwagen, um die Kuchen an Tausende zu liefern

Schliesslich waren es die Bleche, in denen die Kuchen gebacken wurden, die Frisbie zu einem bekannten Namen machten. Schulkinder in der Nähe der Bäckerei warfen die Teller herum und schrien "Frisbie", damit sie nicht von den sich drehenden Bleche getroffen wurden.  Das Spiel fand seinen Weg zu den nahe gelegenen Universitätsgeländen. Nach dem Verzehr des Kuchens wurden dort die Metallpfannen über den ganzen Campus geworfen, wo Frisbie-ing zu einer beliebten Ablenkung für Studenten wurde.

Es erforderte jedoch die Bemühungen eines anderen Mannes, den beliebten Zeitvertreib auf dem Campus in eine internationale Sportart zu verwandeln.

Walter Morrison, Kampfpilot des Zweiten Weltkrieges, befasste sich mit den Feinheiten der Aerodynamik und schuf ein Spielzeug, das der Frisbie-Pfanne ähnelte. Er nannte die fliegende Untertasse „Whirlo-Way“ und taufte sie schliesslich in „Pluto-Platte“ um.

Der Verkauf von Morrisons Spielzeug für fliegende Untertassen war jedoch relativ bescheiden, bis er von den Gründern der „Wham-O Toys Company“ in Kalifornien, den stolzen Machern des Hula Hoop-Ringes, angesprochen wurde. Richard Knerr und Arthur "Spud" Melin, erwarben die Rechte von Morrison und erinnerten sich an eine kürzliche Reise nach Connecticut, wo sie Studenten auf dem berühmtem Yales-Campus gesehen hatten, die sich gegenseitig Frisbie-Kuchenformen zuwarfen. Sie waren von dem Namen beeindruckt und änderten 1957 die Schreibweise jedoch in „Frisbee“ (um lästige Markenprobleme zu vermeiden). „Wham-O“ verkauften schließlich fast 300 Millionen Frisbees.

Es dauerte nicht lange, und Frisbee wurde zu einem beliebten Sport an amerikanischen Universitäten. Um die Disc nicht immer nur hin und her zu werfen, entwickelten die Studenten immer mehr Wettkampfformen für Teams und Einzelspieler, die bis heute erhalten sind.

Die Disziplin „Ultimate Frisbee“ wird oft als Königsdisziplin des Frisbeesports genannt, doch es gibt daneben weitere, sehr beliebte Formen wie Disc-Golf, Freestyle, Double Disc Court oder Weitwurf.

Weltweit spielen mittlerweile etwa sechs Millionen Menschen aktiv Ultimate Frisbee. Der Fokus liegt klar auf Nordamerika, doch auch in Europa breitet sich Ultimate Frisbee seit den 1970er Jahren immer weiter aus. 1981 fand die erste Deutsche Meisterschaft in Duisburg statt. Seither hat sich viel getan. Im Laufe der Jahre kamen neue Verbände hinzu und die Anzahl der Teams (Damen, Mixed, Junioren) hat sich ständig vergrößert. Seit 1991 ist Ultimate offizielle Wettkampfdisziplin des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes und hat auch Einzug in den Sportunterricht an Schulen in manchen Bundesländern gehalten. Viele professionelle Fußballclubs haben Ultimate Frisbee mittlerweile in ihr Trainings-programm aufgenommen, weil es Kondition, Sprungkraft, Beweglichkeit und vor allem das faire Zusammenspiel stärkt.

2015 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) Ultimate Frisbee offiziell anerkannt und in seinen Weltverband als Mitglied aufgenommen. 2028 finden die Olympischen Spiele in Los Angeles statt, also stehen die Chancen gut, dass Ultimate Frisbee bald olympisch wird.

1958 schloss die Bäckerei «Frisbie Pie Company», die dem Frisbee seinen Namen verlieh,  ihre Türen und wurde an „Table Talk Pies“ aus Worcester, Massachusetts, verkauft. Heute ist der alte Standort der „Frisbie Pie Company“ ein Parkplatz direkt neben einer alten Grundschule. (Vielleicht waren es diese Kinder, die das Werfen der Kuchenformen inspirierten…)

Interessanterweise wurde ungefähr zum Zeitpunkt des Niedergangs der „Frisbie Pie Company“ ein Kind geboren, das später im Leben bei einem Flohmarkt kurz nach dem College eine alte Kuchenform fand. Dan O’Connor, ein begeisterter Frisbee-Spieler zu dieser Zeit, lernte durch diesen Kauf die umfangreiche lokale Geschichte, die mit dem klassischen Spielzeug verbunden war, kennen. "Zu der Zeit hat etwas geklickt und ich habe angefangen zu sammeln", sagte O’Connor, als er die Kuchenform gefunden hatte. In den nächsten Jahrzehnten fand er Hunderte von Frisbie-Kuchenformen aus Metall auf Flohmärkten, Antiquitätengeschäften und online. Dann, vor fast einem Jahrzehnt stieß er bei einem Immobilienverkauf auf alte handgeschriebene Rezeptbücher und Fotos. "Ich habe immer darüber nachgedacht, die Frisbie Pie Co. zurückzubringen", sagte er. "Es ist seit 30 Jahren eine Vision." Die Gelegenheit dazu bot sich vor einigen Jahren. Dan O’Connor fand heraus, wer die Rechte für den Markennamen besaß und konnte 2016 die Lizenz- und Vertriebsrechte für den Namen erwerben. Damit war die „Frisbie Pie Company“ zurück! O’Connor replizierte dann die Rezepte für 4-Zoll-Heidelbeer-, Apfel- und Kirschkuchen. "Irgendwann wurde es zum Schicksal", sagte O’Connor, er sei entschlossen, Frisbie-Kuchen in die Hände so vieler Menschen wie möglich zu legen.

Seit Jahren organisiert Dan ein Frisbee-Sportfestival in Bridgeport, bei dem sich Sportler und Fans aus aller Welt zu Wettkämpfen und Spaß treffen. Dan, der Präsident und CEO der neuen Kuchenfirma, liefert selbst Hunderte von Minikuchen in einem 1936 nachgebauten Van der alten Frisbie-Lastwagen aus. Kunden, die sich an die wunderbaren Kuchen erinnern, sind begeistert, dass ihre alten Favoriten wieder verfügbar sind. O’Connor plant, die Marke mit größeren Kuchen und mehr Aromen auszubauen. "Mit einigen der Produkte, die auf den Markt kommen werden, haben wir eine aufregende Zukunft für die Frisbie Pie Co.", sagte er.

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